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28.7.2010

Kunst mit der Spraydose wird zur neuen Erfahrung

 

 

Jugend und Erwachsene allen Alters voller Euphorie beim Projekt im Bürgerpark

 

Das gemeinsame Kunstprojekt von Stadtteil- und Familienzentrum Innenstadt, Seniorenbüro und Jugendbüro Offenburg ist gelungen. Mit großer Begeisterung haben Menschen aller Altersklassen von 11 bis 60 plus mitgemacht. Resultat ist eine mit Spraydosen, Pinsel und Farbe neu gestaltete Wand an der Bürgerpark-Bühne. Für die Älteren war Graffiti eine ganz neue Erfahrung.

 

„Es ist ein Prozess in der Gemeinschaft. Jeder hat etwas gestaltet. Es ist wie in der Musik: Eine Komposition ist entstanden", verdeutlichte eine ältere Dame den Sinn dieser Aktion. Das Projekt wird dank des Programms „Stärken vor Ort" des  Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert und durch die Stadt Offenburg koordiniert. Es sei die Neugier gewesen, mal etwas ganz anderes zu probieren, sind sich die Teilnehmer der älteren Generation sicher. Noch nie hätten sie sich mit Sprühen beschäftigt. „Jetzt haben wir einiges begriffen, auch die Ideen, die dahinter stecken." Und der Jugendliche Christian Eisleitner bringt es auf den Punkt: „Wir beschmutzen nicht, wir verschönern." Und immer nur auf legalen Flächen, betont er weiter. Er fände es auch gut, wenn das Kunstprojekt fortgesetzt würde und die gesamten Wände an der Bürgerpark-Bühne ein neues Gesicht erhielten.

Kunstprojekt
Kunstprojekt
Raphael Lieser (Mitte, hinten)
hilft Hans Dieter Keck (vorne),
ehrenamtlich Tätiger beim
Seniorenbüro, beim
Bedienen der Spraydose.
Foto: Stadt Offenburg/Breithaupt

 

Ob es eine Fortsetzung gibt, steht noch in den Sternen. „Es wäre toll, wenn es weitergeht", sagt Silvia Falk, Bereichsleiterin Bürgerschaftliches Engagement beim Seniorenbüro. Im September wird es zusammen mit Renate von Heimburg, ehemalige Kunsterzieherin und heute im Seniorenbüro engagiert und dem Offenburger Künstler Raphael Lieser eine Reflexion geben. „Hier wollen wir vor allem auch die Rückmeldungen der Teilnehmer hören." Danach wird man weiter sehen.

 

Zirka 15 bis 20 Leute haben zwei Tage lang an Skizzen und Schablonen gearbeitet, ehe es an die Umsetzung ging. Ein Wasserlauf, aus dem ein Regenbogen entsteht, soll die Bewegung darstellen. Darin integriert sind Seiltänzer, Jogger, Wolken, Hochhäuser, Flugzeuge, Skater, Adler und Tanzende. „Bühne frei heißt das Thema. Da wird gehüpft, getanzt, gesprungen, geflogen", sagt Renate von Heimburg. Die Teilnehmer sollten zunächst einen Impuls bekommen. Jeder konnte dann sein eigenes Motiv entwickeln.

 

Die gestaltete Wand hat eine Länge von 5,20 Meter und eine Höhe von 2,10 Meter. So konnte bequem im Stehen gearbeitet werden. Zunächst musste die Fläche grundiert werden, schildert Raphael Lieser. Die beiden Sprayer gaben dann den Teilnehmern Hilfestellung und zeigten, wie Spraydosen gehandhabt werden, damit das Farbenspiel auch von Erfolg gekrönt ist.

 

Im Vorfeld der Kunstaktion hatten die Teilnehmer das Atelier von Jutta Spinner besucht. „Sie hat uns Lust aufs Sprühen gemacht", erläutert eine jüngere Teilnehmerin. „Auch die nächsten Wände können wir locker gestalten. Wir haben genügend Material eingekauft", betont Renate von Heimburg. Für Raphael Lieser war das „Kleinprojekt in der Praxis" im Rahmen seines Studiums Soziale Arbeit ein voller Erfolg. „In Verbindung mit meinem Hobby konnte ich mit einem ganz anderen Publikum arbeiten." Für ihn ist es ein „großes Glück", dass man ihm so viel freie Hand gelassen hat und „immer offen für unsere Ideen" war.