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30.7.2010

Unionbrücke: Stabilisierung für 20 Jahre

Statt Neubau wird das Bauwerk saniert

Der Neubau der Unionbrücke ist für die nächsten zwei Jahrzehnte vom Tisch. Dies entschied am Montag der Gemeinderat einhellig. Stattdessen wird das in die Jahre gekommene Bauwerk für einen Bruchteil der Neubaukos­ten – 2,28 Millionen Euro – stabilisiert. Diese Lösung gibt der Stadt Spielräume, ist OB Schreiner mit der eingeschlagenen Richtung zufrieden. Man verbaut sich nichts im Hinblick auf das geplante Einkaufszentrum auf dem Sparkassenareal, sie entspannt den städtischen Haushalt und man macht damit den Bahngraben auch nicht A3-tauglicher.

Unionbrücke
Unionbrücke
Zwei Tage Sperrung.
Ende August wird
die Unionbrücke
nochmals untersucht.
Foto: Breithaupt

Um bauliche Mängel auszuschließen, soll die Unionbrücke Ende
August/Anfang September für zwei Tage gesperrt und erneut untersucht werden – „als Grundlage für die weitere Planung“, so Tiefbauchef Günter Häberle. Professor Martin Haag, Sachverständiger vom Institut für Mobilität und Verkehr/TU Kaiserslautern, informierte nach dem Verkehrsauschuss auch den Gemeinderat nochmals rundum zur Situation Unionbrücke. Der zunächst geplante Turbokreisel sei tatsächlich „die leistungsfähigste Lösung“. Andererseits seien nach den Expertenrunden der letzten Monate unter den aktuellen Prämissen – unter anderem sei die Verkehrsentwicklung der letzten Jahre mit täglich 16 000 Fahrzeugen stabil – Alternativen denkbar. Mit den jetzt erarbeiteten Stabilisierungslösungen könne ein planungstaktischer Vorteil erzielt werden. Er empfahl zudem eine modifizierte Wegweisung und die Prüfung einer nördlichen Bahnquerung, um die Brücke weiter von Verkehr zu entlasten. Günter Häberle betonte die stetige
 Untersuchung des Bauwerks seit 1991, hierbei sei „keine wesentliche Verschlechterung feststellbar“ gewesen – das die Stadt begleitende Fachbüro kenne das Bauwerk wie kein anderer.
Die kritischen Bereiche sind die Zugstreben in den Widerlagern.
Diese sollen nun durch Bohrpfähle verstärkt und mit zusätzlichen Gliedern verstärkt werden. Die Brückenplatte soll eine zusätzliche Bewehrung erhalten, das heißt, mit einer 20 Zentimeter dicken Betonschicht verstärkt werden. Diese
Stabilisierungsvariante beansprucht zirka acht Monate und wird zu Verkehrseinschränkungen führen. „Wir versuchen aber, die Bauzeit zu straffen“, so Häberle. Läuft alles plan­mäßig, kann man die Arbeiten noch 2010 ausschreiben und die renovierte Brücke zum Jahresende 2011 wieder freigeben. Nach diesen Maßnahmen kann das Bauwerk weitere zwei Jahrzehnte lang wieder mit
einer höheren Last befahren werden, das heißt, von mehreren Bussen gleichzeitig und auch von LKW bis zu 7,5 Tonnen.
In der Fraktionsrunde unterstrich CDU-Chef Kurt Feger: „Nicht nur die Haushaltssituation führte zu neuem Nachdenken.“ Positiv sieht er die auf 20 Jahre ausgerichtete Stabilisierung, die für die Stadt nun wichtige Spielräume bietet. Bezüglich einer Bauzeitverkürzung regte er einen Schichtbetrieb an. Gut für den Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) ist, dass bald wieder alle Busse problemlos über die Brücke fahren können.
Auch Heinz Hättig (SPD) sieht die unumgänglichen Behinderungen während der Sanierungsarbeiten kritisch. Dass nun die Planung des Einkaufscenters unbelastet in den Fokus rücken kann, lobte er. Außerdem fördere man mit der Stabilisierungslösung quasi den Bau des Güterzugtunnels. Den Leserbrief
des ehemaligen Baubürgermeisters Horst Kiefert tadelte er als „unverantwortlich“, vermisste ihn unter den Zuschauern.
Wolfgang Schrötter, Freie Wähler, sah Jopens Hoffnung auf eine Haushaltsentspannung durch die Stabilisierungslösung bestätigt. Allerdings forderte er eine klare Aussage zum Risiko dieser Sanierung und ein begleitendes Monitoring. Auch die Behelfsbrücke während der Bauarbeiten sprach er nochmals an – die Verwaltung solle hierzu die Kosten prüfen. Diese taxierte Tiefbaufachmann Bernhard Mussler samt Signalisierung auf eine halbe Million Euro. Jürgen Ochs von den Grünen ging insbesondere auf den zweiten Teil des Beschluss­antrags ein. Mit Angelika Wald forderte er, den Absatz zu streichen, dass Teilflächen der alten Stadthalle als Flächenoption für den geplanten Brückenneubau festgeschrieben werden sollen – was auch erfolgte. Dies komme sonst einer Abriss­genehmigung gleich. Baubürgermeister Eckert erklärte auf Nachfrage von Grünen-Stadtrat Thomas Marwein, dass die Bahn über die Unionbrücke-Absichten detailliert im Bilde sei, aber
 keine rechtliche Möglichkeit habe, die Sanierungslösung zu beeinflussen. Silvano Zampolli, FDP, zeigte sich zufrieden, dass der „Kelch des Neubaus an uns vorüber gegangen“ ist.
Martina Bregler, SPD-Stadträtin, fragte abschließend kritisch „Warum kam man erst so spät zu diesen neuen Erkenntnissen?“