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Was in Japan funktioniert, klappt hierzulande oft nicht: Verantwortung für den eigenen Müll tragen

- 13.05.2026 - 

Offenburg ist nicht Tokio

Sauberkeit sni Es beginnt oft mit einer Kleinigkeit. Ein leerer Kaffeebecher, schnell entsorgt. Eine Verpackung, achtlos fallen gelassen. Vielleicht, weil der nächste Mülleimer zu weit weg ist. Vielleicht, weil der vorhandene schon überquillt. Vielleicht aber auch einfach, weil es bequem ist.

Fessenbacher Straße.

Wer durch Offenburgs Innenstadt geht, sieht die Folgen dieser kleinen Entscheidungen. Rund 111 Mülleimer stehen alleine in der Innenstadt zur Verfügung – eigentlich genug, könnte man meinen. Und doch gibt es Orte, an denen sich der Müll sichtbar sammelt: am Gifiz, am Grünen Strand im Mühlbachareal, rund um die Dreifaltigkeitskirche, am Augustaplatz oder am Platz der Verfassungsfreunde. Auch an der Georg-Monsch-Schule, beim Technischen Rathaus sowie entlang der Gaswerkstraße an den Glascontainern und in der Freiburger Straße unter der Fußgängerbrücke zeigen sich immer wieder ähnliche Bilder.

An einem dieser Orte landet eine Krähe auf dem Rand eines fast vollen Mülleimers. Mit geübten Bewegungen zieht sie eine Verpackung heraus, hackt ihn auf – und verteilt den Inhalt auf dem Boden. Innerhalb weniger Minuten entsteht ein Durcheinander aus Papier, Plastik und Essensresten. Was zunächst wie ein tierisches Problem wirkt, ist in Wahrheit ein menschgemachtes: Überfüllte Mülleimer sind eine Einladung.

Dabei ist die Regel klar: Ist ein Mülleimer voll, soll der nächste genutzt werden – oder der Müll eben wieder mitgenommen werden. Ein Prinzip, das andernorts längst funktioniert. Ein Kollege war im Urlaub in Tokio und war verwundert: Öffentliche Mülleimer sucht man oft vergeblich – und dennoch bleiben die Straßen sauber. Die Menschen tragen Verantwortung für ihren eigenen Abfall.

Zurück in Offenburg wirkt dieses Prinzip wie eine ferne Idee. Besonders deutlich wird das an Orten wie dem Grünen Strand im Mühlbachareal oder rund um die Dreifaltigkeitskirche. Hier treffen sich viele Menschen – und hinterlassen Spuren. Nicht immer sind es nur Verpackungen oder Kaffeebecher. Glasscherben auf Radwegen und Straßen stellen ein wachsendes Risiko dar, ebenso wie achtlos weggeworfene Spritzen.

Ein weiteres Problem liegt oft unscheinbar am Boden: Gelbe Säcke, abgelegt auf Baumscheiben. Was wie eine praktische Zwischenlösung wirkt, hat Konsequenzen. Die dünnen Säcke reißen schnell, Flüssigkeiten laufen aus. Nicht selten enthalten sie Reste von Reinigern oder Waschmitteln – Stoffe, die den Boden belasten und den Bäumen schaden können. Ein stilles Problem, das man nicht sofort sieht, dessen Wirkung aber langfristig spürbar ist.

Auch rund um Altkleidercontainer zeigt sich ein bekanntes Muster. Sind sie überfüllt, werden Säcke daneben abgestellt. Was ordentlich gemeint ist, wird schnell unübersichtlich – und zieht weiteren Müll an. Besonders an den bekannten Standorten entsteht so ein Eindruck von Verwahrlosung.

Und dann sind da noch die kleinen silbernen Kartuschen, die immer häufiger auftauchen – Lachgaskartuschen. Für viele sind sie ein kurzlebiger Freizeitartikel und schnell vergessen, für die Stadt hingegen ein wachsendes Entsorgungsproblem. Die Kosten für ihre fachgerechte Beseitigung sind erheblich. Was achtlos weggeworfen wird, belastet am Ende die Allgemeinheit.

Doch zwischen all diesen Bildern gibt es auch andere. Menschen, die sich bei Aktionen wie der Kreisputzete engagieren, Müll sammeln, Verantwortung übernehmen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die mit Handschuhen und Säcken durch Parks und Straßen ziehen. Sie räumen auf, was andere zurückgelassen haben – und setzen damit ein Zeichen.

Am Ende bleibt eine einfache Erkenntnis: Die Sauberkeit einer Stadt entscheidet sich nicht allein an der Anzahl der Mülleimer oder an der Frequenz ihrer Leerung. Sie entscheidet sich im Verhalten der Menschen, die in ihr leben.

Die Krähe am Mülleimer folgt nur ihrem Instinkt. Wir hingegen haben eine Wahl.

 
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