Vom Reé Carré zog die Gruppe Richtung Marktplatz, meist gebückt oder gar kniend: Zwischen den Fugen wurden Neuentdeckungen aufgespürt, die mit den extremen Bedingungen einer Stadt zurechtkommen – wahre Überlebenskünstler, die zudem die Versickerung erhöhen und Staub binden. An heißen Sommertagen können sie erheblich zur Kühlung der gepflasterten Flächen beitragen und wertvolle Mikro-Ökosysteme für zahlreiche Insekten und andere Organismen darstellen. Außerdem könenn die grünen und bunten Farbtupfer im städtischen Einheitsgrau eine Wohltat fürs Auge sein.
Beim Spaziergang durch die Innenstadt galt die Aufmerksamkeit der Pflanzenwelt in den Fugen und Ritzen. Die unscheinbaren Lebewesen wurden bestimmt und mit Kreide markiert. Entdeckt wurden auch Pflanzen mit heilender Wirkung, die etwas in Vergessenheit geraten sind. Mitmachen konnte auch, wer keine außergewöhnliche Artenkenntnis besitzt, denn Pflanzenbestimmungsapps wie FloraIncognita oder PlantNet halfen bei der Erkennung dieser Kleinstflora. So konnten die Pflanzenfreund*innen innerhalb von 120 Minuten mehr als 30 verschiedene Pflanzenarten identifizieren, und das im Bereich von wenigen 100 Metern in der dicht bebauten und versiegelten Innenstadt von Offenburg. Ihre Aktion am Samstagvormittag blieb nicht unbemerkt, viele kleine und große Passanten wurden aufmerksam, erkundigten sich nach den aufgefundenen Arten, ihren Besonderheiten und ihrem Nutzen.
Die Stadtbotanik-Aktion soll mehr Bewusstsein für die Präsenz von Wildpflanzen und für die Bedeutung von Natur in den Städten schaffen. Die Aktion wurde von der Stadt Offenburg, Abteilung Grünflächen und Umweltschutz, sowie vom BUND, Umweltzentrum Ortenau, initiiert. Die zum Teil sehr hübschen pflanzlichen Kämpfernaturen wurden identifiziert. Mit etwas bunter Kreide wurden sie markiert und ihnen damit die ihnen gebührende Aufmerksamkeit geschenkt.
#Krautschau ist eine Bewegung von Botaniker*innen und Pflanzenfans und entstand als Reaktion auf das weit verbreite Phänomen der Pflanzenblindheit. Dies bezeichnet die Unfähigkeit, die Pflanzen in der eigenen Umgebung detailliert wahrzunehmen. Die Aktion kam aus Frankreich über England nach Deutschland, und hier hat sich in den sozialen Medien der Hashtag #Krautschau etabliert. Der erste bundesweite #Krautschau-Aktionstag wurde 2021 von Julia Krohmer (Senckenberg) mit Alexandra-Maria Klein (Universität Freiburg) koordiniert. 2023 erschien ihr Naturführer: „Das wächst in deiner Stadt: #Krautschau – 95 Pflanzen erkennen“.










