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Seit fast vier Jahren Ukraine-Hilfe in Offenburg/Viele Institutionen und Vereine sind beteiligt

- 08.01.2026 - 

Kriegsende als größten Wunsch

INTEGRATION ges In der jüngsten Sitzung des Integrationsbeirats im Dezember 2025 hat die Ukraine-Hilfe über ihre Arbeit berichtet. Die OFFENBLATT-Redaktion hat bei Oksana Karpik nachgefragt.

Die drei Frauen der Ukraine-Hilfe: links Anna Lekhoshchak, in der Mitte Svitlana Politova und rechts Oksana Karpik.

Vor knapp vier Jahren wurde die Ukraine-Hilfe gegründet. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Oksana Karpik: Die „Lokale Ukraine-Hilfe“ entstand absolut unerwartet. Bevor wir uns kannten, lebten wir unser alltägliches Leben in Offenburg. Wir hatten nichts gemeinsam außer unserer Herkunft und die tiefe Betroffenheit über das, was in der Ukraine passierte. Drei Tage nach Beginn des Krieges trafen wir uns zum ersten Mal bei einer Kundgebung in Offenburg. Unsere Heimat kämpfte ums Überleben, tausende Kilometer entfernt. Wir konnten nicht tatenlos zusehen. Dort wurde uns klar: Hier in Offenburg gibt es viele Ukrainer, so wie wir. Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee, eine Facebook-Gruppe zu gründen, um Informationen und Neuigkeiten zu teilen. Heute zählt diese Gruppe bereits über 1.000 Mitglieder.

Wie ging es dann weiter?

Karpik: Kurz darauf eröffnete in Offenburg eine Unterkunft für ukrainische Geflüchtete. Alle, die helfen und übersetzen konnten, kamen dahin. In den folgenden Wochen hörten wir viele Geschichten von Menschen, deren Leben durch den Krieg für immer verändert wurde. Wir hörten zu und übersetzten ihre Bedürfnisse: Kleidung, Hygieneartikel, Futter für Haustiere. Es entstand die Idee, die Leute untereinander bekannt zu machen. Mit Unterstützung der Stadt Offenburg organisierten wir Picknicks, bei denen Menschen sich gemeinsam entspannen, ablenken, reden und grillen konnten. Ukrainische Frauen kochten traditionelle Gerichte und kurz darauf folgten unsere ersten Samstagsmärkte. Um uns herum gab es immer sehr viele Helferinnen und Helfer. Darunter waren die erst angekommenen Menschen, die auf der Suche nach Beschäftigung waren und auf einen Platz beim Deutschkurs warteten. Logischerweise hatten sie im Moment viel Freizeit. Unsere Aufgabe war es, die Leute währenddessen richtig einsetzen zu können. Sie fingen an zu backen, kochen, Stände aufzubauen und diese zu dekorieren. Unsere Idee war klar: die ukrainische Gemeinschaft zu vereinen und gleichzeitig Hilfe für die Ukraine zu leisten. Bei jedem Marktstand sprachen Frauen miteinander und mit den Bürgern der Stadt. Sie spürten enorme Unterstützung und wussten: Jeder Euro zählt.

Wie hat sich die Arbeit in den vier Jahren entwickelt?

Karpik: Wir haben angefangen mit den Übersetzungen und uns mit jeder neuen Herausforderung weiterentwickelt; haben Kundgebungen, Veranstaltungen, Workshops, Stände bei den Samstagsmärkte und internationalen Festen, Spendenaktionen, Benefizkonzerte, ukrainische Samstagschule, ukrainische Bücher für Stadtbibliothek und SFZ Buntes Haus organisiert. Wir reagieren agil auf die Situationen und Bedarfe, nehmen alle Herausforderungen an und lernen immer wieder dazu.

Wie viele Menschen konnten Sie bislang erreichen?

Karpik: Wir haben seit 2022 unsere Facebook Seite „Ukrainians in Offenburg“ mit 1.000 Mitgliedern. Es gibt auch viele Menschen, welche kein Facebook haben und mit uns über andere soziale Kanäle im Kontakt stehen. Ich schätze, wir haben in unserer ukrainischen Gemeinschaft über 2.000 Menschen im Ortenaukreis. Darüber hinaus haben wir auch mehrere tausende Menschen in der Ukraine mit unserer Spende erreicht.

Erinnern Sie an den Beginn des Krieges?

Karpik: Ja. Der 24. Februar 2022 ist ein tragischer und grauenhafter Tag für jeder Ukrainer, denn an diesem Tag hat sich unser Leben für immer verändert. Jedes Jahr veranstalten wir an diesem Tag eine Kundgebung zur Unterstützung der Ukraine. Alle Spenden, die wir bei unseren Veranstaltungen sammeln, kommen der Ukraine zugute. Die Hilfe für Kinder in der Ukraine war und ist für uns eine Herzensangelegenheit. Uns ist es sehr wichtig die Kinder zu unterstützen und bisschen Freude zu schenken.

Erfahren Sie Unterstützung?

Karpik: In diesen vier Jahren konnten wir zahlreiche Projekte umsetzen – ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis und mit dem klaren Ziel, die Ukraine sowie vom Krieg betroffene Menschen zu unterstützen. Möglich wurde dies durch das außergewöhnliche Engagement vieler Ukrainerinnen und Ukrainer. Ebenso wäre dieses ehrenamtliche Engagement ohne die wertvolle Unterstützung der Behörden, Vereine sowie vieler engagierter Privatpersonen aus Offenburg und der Ortenau nicht denkbar gewesen. Ihre Solidarität, ihr Vertrauen und ihre Offenheit haben unsere Hilfe für die Ukraine und die vom Krieg betroffenen Menschen entscheidend ermöglicht.

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei allen Beteiligten bedanken: dem Integrationsbüro mit Christoph Heimel, Heidi Hornickel, Annalena Bürk und dem Integrationsmanagement, der Flüchtlingshilfe Rebland und Heribert Schramm, dem SFZ Buntes Haus und Philipp Basler, der Ausländerinitiative Offenburg – Förderverein Buntes Haus e.V. und Paul Schmöckel, der Diebold Logistik und Pascal Ding, der Offenburger Bürgerstiftung St. Andreas, den Ukrainern in Karlsruhe und Iryna Matviienko, Open e.V., dem Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl, SFZ Mühlbach und Innenstadt, Heidi Marwein und Weltladen Regentropfen, Förderverein Pflasterstube Ortenau e. V., MARKANT Service International GmbH und Mark Michaelis, Forum Offenburg, Stadtbibliothek Offenburg, PAuLA Oberkirch, Badenova, E-Werk Mittelbaden-Offenburg, Offene Fahrradwerkstatt Offenburg e.V. und Familie Kiefer, Eislaufhalle Offenburg, Apotheken und Geschäfte in Offenburg, Medien in Offenburg, viele private Personen und Firmen aus Ortenau, Bündnis 90/Die Grünen Ortenau und Stefan Böhm, Stadtmarketing, Alevitische Gemeinde Offenburg, Buchhandlung Akzente und Laitenberger Bildungsstätte.

Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit?

Karpik: Zurzeit haben alle unsere Projekte und Initiativen Kriegshintergrund. Wir wünschen uns das Kriegsende und dass wir uns auf die kulturellen und wissenschaftlichen deutsch-ukrainischen Projekte fokussieren können. Wir wünschen uns das Kriegsende und dass die Ukraine ein freies, souveränes und demokratisches Land bleibt.