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Podiumsdiskussion über Prostitution

- 12.03.2026 - 

"Männer sind in der Pflicht"

Im Rahmen der Ausstellung „gesichtslos - Frauen in der Prostitution“ findet am 20. März ein Podiumsgespräch mit dem Titel „Prostitution in Deutschland - Perspektivwechsel für eine menschenwürdige Politik“ statt. Auf dem Podium wird auch Jörg Kuebart sprechen. Er ist Vorsitzender von „Zeromacho Deutschland e.V. - Männer sagen NEIN zu Prostitution“. Zeromacho ist Teil eines internationalen Netzwerks, in dem Männer gegen Sexkauf und für echte Gleichberechtigung eintreten.

Sagt deutlich JA zum Sexkaufverbot: Jörg Kuebart.

Herr Kuebart, warum engagieren Sie sich bei Zeromacho Deutschland e.V.?

Jörg Kuebart: Über den Verein SISTERS e.V. habe ich von dem Leid der vielen Frauen erfahren, die in der Prostitution arbeiten, meistens unter Zwang und z. T. als Sklavinnen, die für irgendwelche Profiteure arbeiten, selbst dabei schwere psychische und physische Schäden davontragen. Deshalb habe ich das Zeromacho-Manifest unterzeichnet, das unter anderem fordert, dass auch die Männer weiter an einer allgemeinen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau arbeiten müssen, dazu gehört auch eine selbstbestimmte Sexualität auf Augenhöhe. Keine Frau darf käuflich sein, dafür kämpfe ich.

Warum ist es Ihnen und Ihrem Verein wichtig, dass Männer sich für ein Sexkaufverbot aussprechen?

Kuebart: Im System Prostitution sind vor allem Männer die Täter, als Loverboys, Zuhälter, Bordellbesitzer oder eben als Freier. Als Männer, die Prostitution und die Käuflichkeit von Frauen klar ablehnen, dürfen und können wir das nicht hinnehmen. Gleichzeitig ist es leider immer noch Realität, dass männliche Stimmen in Politik und Öffentlichkeit oft mehr Gewicht haben. Gerade deshalb sind wir in der Pflicht, unsere Stimme zu erheben und dem Thema zusätzliche Sichtbarkeit und politische Relevanz zu geben. Nach wie vor wird das Thema Prostitution in einem gesellschaftlichen Dunkelfeld gehalten, da die Mehrheit der Bevölkerung die bestehenden Zustände ablehnen würde, wenn sie mehr darüber wissen würden. Daher wollen wir aufklären, informieren, sensibilisieren und vor allem mobilisieren für eine Einführung des Nordischen Modells – siehe meine Antwort auf die dritte Frage.

Was wünschen Sie sich mit Blick auf die Themen Sexkauf und Prostitution zukünftig für Deutschland?

Kuebart: Wir brauchen eine radikale Veränderung der Prostitutionsgesetzgebung in Richtung Nordisches Modell nach dem skandinavischen oder französischen Vorbild, also ein Sexkaufverbot mit Kriminalisierung der Freier, Entkriminalisierung der Frauen in der Prostitution, Ausstiegshilfen und Aufklärung der Bevölkerung über die Folgen der Prostitution. Der Mythos vom „ältesten Gewerbe der Welt“ verharmlost die realen Zustände in der Prostitution und verdeckt Gewalt und Ausbeutung. In einer Welt, die Frauen zur Ware degradiert, wollen wir nicht leben.

Perspektivwechsel gefordert
Ein Podiumsgespräch zu "Prostitution in Deutschland – Perspektivwechsel für eine menschenwürdige Politik" findet am Freitag, 20. März, 19 Uhr, im Salmen, Lange Straße 52, statt. Der Eintritt ist frei. Unter der Moderation von Zarah-Louise Roth werden miteinander sprechen:

Jörg Kuebart, Vorsitzender von Zeromacho Deutschland e.V. -Männer sagen NEIN zu Prostitution (siehe nebenstehendes Interview), Brigitte Schmid-Hagenmeyer, Psychologische Psychotherapeutin, Traumatherapeutin, Manuela Schon, Fachreferentin lokale Umsetzung Istanbul-Konvention, kommunales Frauenreferat Wiesbaden, Autorin und Iris Janke, Leitende Oberstaatsanwältin, Staatsanwaltschaft Offenburg.
Es geht bei der Diskussion um die Frage: Welche Optionen für eine menschenwürdige Politik bestehen bzgl. Prostitution und Sexkauf in Deutschland? Es tauschen sich Fachleute aus Justiz, Verwaltung, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft dazu aus.
Diese Veranstaltung begleitet die Sonderausstellung „gesichtslos“, die noch bis zum 22. März im Museum im Ritterhaus gezeigt wird.