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Stadtgesichter: Stadtplanung mit Vera Dreher

- 26.03.2026 - 

Die Zukunft der Stadt im Blick

sni Wenn neue Baugebiete entstehen, Straßen umgestaltet werden oder Grünflächen geplant sind, steckt hinter vielen dieser Entscheidungen sorgfältige Planung. Daran arbeitet auch Vera Dreher, Stadtplanerin bei der Stadt Offenburg. Die 33-Jährige ist seit 2023 Teil der Stadtverwaltung. Zunächst war sie im Bereich Stadtentwicklung tätig, wo sie das integrierte Klimaanpassungskonzept für die Stadt Offenburg entwickelte, seit September 2024 arbeitet sie im Team der Stadtplanung.

Vera Dreher am Konzeptplan Ent-lastungssystem des Rahmenplans Stadtklimawandel.

Kurz vor dem Abitur entdeckte Dreher durch ein Praktikum in einem Architekturbüro ihr Interesse an der Stadtplanung. Sie studierte Raumplanung sowie Stadt- und Regionalentwicklung in Kaiserslautern und arbeitete anschließend in einem Planungsbüro in Karlsruhe.

In ihrer täglichen Arbeit beschäftigt sich Dreher mit ganz unterschiedlichen Themen. Ein wichtiger Teil ist die Erstellung von Bebauungsplänen. Dabei wird geprüft, ob und wie geplante Vorhaben umgesetzt werden können – etwa ein neues Wohngebiet oder ein Sportpark. „In einem Bebauungsplan fließen sehr viele Aspekte zusammen“, erklärt Dreher.

Neben Fragen des Natur- und Artenschutzes spielen etwa Lärm, Luftschadstoffe, Boden und Wasser eine Rolle, aber auch Auswirkungen auf Menschen, Tiere und das Stadtklima. Während der Offenlage können sich Bürger*innen sowie Institutionen und Behörden wie das Landratsamt, das Regierungspräsidium, BUND oder NABU zu den Planungen äußern. Hinweise und Anregungen fließen anschließend in die weiteren Planungen ein.

Ein Thema, das Dreher besonders beschäftigt, ist die Klimaanpassung in der Stadtplanung. Ziel ist es, Offenburg langfristig widerstandsfähiger gegen Hitze und Starkregen zu machen. In Neubaugebieten gibt es dafür viele Möglichkeiten: etwa Bäume festzusetzen, Dach- und Fassadenbegrünungen, Versickerungsmulden oder Grünflächen einzuplanen sowie klimaresistente Pflanzenarten zu verwenden. Im Bestand sei das oft schwieriger, sagt Dreher. Doch auch hier wird bei Bauanträgen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten stärker darauf geachtet, etwa Parkplatzflächen zu begrünen und Versiegelung möglichst zu begrenzen.

Aktuell arbeitet sie unter anderem am Bebauungsplan für das Schlachthof-Quartier CANVAS+. Dort gelten hohe Nachhaltigkeitsanforderungen: Investoren verpflichten sich zu Energiestandards, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie nachhaltigen Baukonzepten, zudem werden Versickerungsflächen eingeplant. Ein weiteres Projekt ist die Umsetzung des Stadtbaumkonzepts, das langfristig mehr Grün in die Straßen bringen soll. Dabei entstehen jedoch auch Konflikte mit Anforderungen wie Parkplätzen, Fahrbahnbreiten oder Leitungen im Untergrund.

Neben großen Projekten gehört auch das sogenannte „Daily Business“ zu ihrem Arbeitsalltag: Bauanträge prüfen, Stellungnahmen verfassen oder Bürgeranfragen beantworten. Manchmal reicht dabei ein Blick in Unterlagen oder digitale Karten nicht aus. Dann geht Dreher selbst vor Ort, um sich ein Bild zu machen. „Gerade wenn es darum geht, ob sich ein Bauvorhaben in die Umgebung einfügt, hilft oft nur, die Situation vor Ort zu bewerten.“

Für Dreher ist Stadtplanung immer auch ein Blick in die Zukunft. Viele Entscheidungen wirken Jahrzehnte. „Wir versuchen langfristig zu denken“, sagt sie. Eine Baustelle dauere vielleicht nur kurze Zeit, doch eine gute Planung könne für viele Jahre einen Mehrwert schaffen.

Ausgleich zum Büro findet die Stadtplanerin in ihrer Freizeit. Sie fährt gerne Rennrad, spielt Waldhorn – inspiriert von ihrem Großvater – und singt.