Mit der Namensgebung würdigt die Stadt ihr jahrzehntelanges Engagement für Erinnerungskultur, Versöhnung und Aufklärung. Eva Mendelsson, geborene Cohn, wurde 1931 in Gengenbach geboren und wuchs in Offenburg auf. Im Oktober 1940 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Myriam in das Lager Gurs deportiert. Eine Hilfsorganisation schmuggelte die beiden Schwestern in die Schweiz. Ihre Mutter Sylvia und ihre Schwester Esther wurden von den Schergen des Nazi-Regimes im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Trotz ihres erlittenen Leids streckte Mendelsson nach dem Krieg ihre Hand zur Versöhnung aus und leistete als Zeitzeugin in Schulen und bei Veranstaltungen jahrzehntelang einen unschätzbaren Beitrag zur Erinnerungsarbeit in Offenburg. Dafür wurde sie im November 2025 im Salmen-Saal mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Offenburg ausgezeichnet.
Der Salmen als Ort ist eng mit ihrer Biografie verbunden: Die ehemalige Synagoge war der zentrale Versammlungsort der jüdischen Gemeinde Offenburg. Sie wurde während der Novemberpogrome 1938 von den Nationalsozialisten geschändet und zerstört. Zugleich ist der Salmen der Ort, an dem 1847 die „13 Forderungen des Volkes" – der erste Grundrechtekatalog in deutscher Sprache – formuliert wurden.
Intensive Debatte
Diese Dualität des heutigen Erinnerungsortes hatte im Vorfeld zu einer öffentlichen Debatte geführt. Unter anderem wurde der Vorschlag vorgetragen, den Saal nach Gabriel Riesser zu benennen – dem Vizepräsidenten des Frankfurter Paulskirchenparlaments 1848/49 – der als Vorkämpfer für die Emanzipation des Judentums gelte und beide historische Dimensionen des Salmen vereinige. Vor dem Hintergrund dieser Debatte hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen noch kurz vor der Sitzung beantragt, die Entscheidung zu verschieben und die historischen Bezüge aufarbeiten zu lassen. Der entsprechende Antrag wurde jedoch von der Mehrheit des Gemeinderats abgelehnt.
Kulturbürgermeister Hans-Peter Kopp betonte, dass die Argumente im Kulturausschuss umfassend abgewogen worden seien. In der Fraktionsrunde warb Regina Heilig (CDU/FDP-Fraktion) eindringlich für die Benennung: Was Eva Mendelsson geleistet habe und ihre Fähigkeit, zu verzeihen, könne „gar nicht groß genug gewürdigt werden". Mario Vogt (Freie Wähler Offenburg) betonte die einstimmige Zustimmung seiner Fraktion. Martina Bregler (SPD) nannte die Benennung an einem Schicksalsort der Kindheit von Eva Mendelsson folgerichtig. Taras Maygutiak (AfD) bezeichnete den Verlauf der Debatte als unglücklich und betonte die Zustimmung seiner Fraktion. Silvano Zampolli (Freie Bürger Offenburg) mahnte einen würdigen Umgang mit dem Thema an. Sarah Wiedmann (Die Linke) unterstützte den Antrag ebenfalls. Die offizielle Namensgebung soll im Rahmen einer Feierstunde erfolgen.










