Salmengespräch 2024
Identitäten - Lena Gorelik im Gespräch mit Insa Wilke
Am 12. September 2024 um 19 Uhr lädt der Salmen zum alljährlichen Salmengespräch ein. In diesem Jahr geführt von zwei bemerkenswerten Frauen aus der aktuellen Medien- und Literaturwelt: Lena Gorelik und Insa Wilke. Sie beschäftigen sich mit der Frage: Welche Bedeutung hat Bildung für die eigene Identität?
In Artikel 9 der 13 Forderungen, welche 1847 im Salmen verkündet wurden, heißt es: „Wir verlangen, dass die Bildung durch Unterricht allen zugänglich werde“. Diesem Aspekt widmet sich der Salmen im diesjährigen Salmengespräch auf ganz besonderer Weise, wenn sich zwei Größen der aktuellen Literatur und Literaturkritik austauschen.

„Wenn wir von Bildung sprechen, scheint es zuerst einmal, dass es sich um einen selbstverständlichen, nicht weiter erklärungsbedürftigen Begriff handelt. Bemüht man sich um eine Konkretisierung, dann wird schnell klar, wie wenig selbstverständlich und selbsterklärend dieser Begriff ist. Inhaltlich ist damit zumeist so etwas gemeint wie die Entfaltung und Nutzung der geistigen Kräfte des Menschen durch Aneignung von Wissen, Kulturtechniken und Vermittlung von Werten mit dem Ziel der Entwicklung einer Persönlichkeit, die über Anlagen und Fertigkeiten verfügt, wie Sachwissen, Denk-, Urteils- und Ausdrucksfähigkeit.“ Mit diesen Worten nähert sich Caroline Robertson von Trotha dem 9. Artikel der Offenburger Forderungen in ihrem Essay „Bildung für alle – auf dem schwierigen Weg zur Chancengleichheit.“
Diesem Aspekt widmen wir uns in diesem Jahr beim Salmengespräch in einer ganz besonderen Weise. Denn Lena Gorelik schafft es in ihrer Autobiographie „Wer Wir Sind“ auf äußerst sensible Weise aufzuzeigen, wie wichtig diese Form der Bildung für ein gelingendes Leben ist.
Sie selbst war 12 Jahre als sie mit ihrer Familie als so genannte jüdische Kontingentflüchtlinge nach Deutschland kamen. Sie berichtet vom Leben hinter Stacheldraht „im Flüchtlingsheim“, von den Bemühungen, die deutsche Sprache zu lernen, die deutsche Kultur zu verstehen.
Sie erzählt über die Erfahrungen dreier Generationen. Ihre eigenen: „Ich nicke verständnisvoll. Falte das Wort zusammen, lege es ordentlich neben den anderen ab.“, die ihrer Eltern: „Scham zum Beispiel, die lässt sich gut merken“ und die der Großmutter, Babuschka: „Ich habe meine Großmutter nie nach der Einsamkeit gefragt“. Sehr schnell wird deutlich: Es geht nicht um Bildung als solche, sondern eher um ein gesellschaftlich anerkannten Bildungskanon im Ankunftsland.
Sie erzählt über die Erfahrungen dreier Generationen. Ihre eigenen: „Ich nicke verständnisvoll. Falte das Wort zusammen, lege es ordentlich neben den anderen ab.“, die ihrer Eltern: „Scham zum Beispiel, die lässt sich gut merken“ und die der Großmutter, Babuschka: „Ich habe meine Großmutter nie nach der Einsamkeit gefragt“. Sehr schnell wird deutlich: Es geht nicht um Bildung als solche, sondern eher um ein gesellschaftlich anerkannten Bildungskanon im Ankunftsland.
Denn die Eltern, beide mit ihren Diplomen aus Russland und ihrer Berufserfahrung, müssen schnell erfahren, dass ihre Bildung, ihr Können und ihr Wissen in Deutschland nicht anerkannt werden. Lena Gorelik klagt nicht an, sie beschreibt. Sie nimmt uns mit ihn ihre Erfahrungswelt.
Sie lässt uns durch die Augen des Kindes und später der jungen Frau erleben wie mühsam der Weg zu ein wenig Chancengleichheit ist.
Lena Gorelik wird aus ihrem Buch lesen.








