Ein Überblick über die Angebote der Nachbarschaftshilfe in der Kernstadt und den Ortsteilen
- 13.05.2026 -
Hilfe von nebenan
Wenn die Einkaufstasche zu schwer wird, der Weg zum Arzt beschwerlich ist oder im Alltag einfach jemand zum Reden fehlt, ist eine gute Nachbarschaft von unschätzbarem Wert. In Offenburg hat sich ein immer dichteres Netz an Hilfsangeboten gebildet, das genau dort ansetzt, wo Unterstützung gebraucht wird.
Der Grundstein für diese positive Entwicklung wurde bereits vor rund zehn Jahren gelegt: Noch bevor Lydia Schindler, Leiterin Bürgerschaftliches Engagement, ihre Stelle antrat, initiierte die Stadt, im Rahmen des Prozesses „Perspektiven der Ortschaften", ein Projekt zur Förderung von Nachbarschaftshilfen. Mit großem Erfolg, denn in fast allen Ortsteilen bildeten sich daraufhin engagierte Nachbarschaftshilfeinitiativen.
Ob jung oder alt
Diese Entwicklung ist eng mit dem städtischen Prozess „Älter werden in Offenburg“ verknüpft. Dahinter steht ein klares Ziel: Älter werdende Menschen sollen durch gezielte Unterstützung so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. Weil sich dieses Konzept der „Hilfe von Haus zu Haus“ in den Ortsteilen so gut bewährt hat, beschloss man, den Aufbau von Nachbarschaftshilfen auch direkt in den innerstädtischen Quartieren aktiv zu unterstützen.
Neben dem Pionier „soNet“ in Süd-Ost wurden in drei Gebieten – der Nordweststadt, in Albersbösch mit Hildboltsweier sowie in Stegermatt samt Eiserner Hand – solche Initiativen, unterstützt von Lydia Schindler und den jeweiligen Stadtteil- und Familienzentren, ins Leben gerufen oder befinden sich im Aufbau. Jede Gruppe wächst dabei in ihrem ganz eigenen Tempo. Wer mithelfen möchte, wendet sich direkt an die Nachbarschaftshilfe (www.nachbarschaftshilfen-offenburg.de) oder an das jeweilige Stadtteil- und Familienzentrum.
Wer sich in Offenburg nach diesen Angeboten erkundigt, stellt schnell fest, dass sich keine einheitliche Schablone über die Hilfsnetzwerke legen lässt. Stattdessen hat sich eine bunte Vielfalt an Modellen entwickelt. Einige etablierte Nachbarschaftshilfen, wie etwa in Waltersweier, arbeiten als Vereine mit einer Aufwandsentschädigung für die Helfenden. Dieses Modell hat den Vorteil, dass feste, regelmäßige und teils längerfristige Einsätze besser gewährleistet werden können. Andere Gruppen wiederum, ohne Vereinsstruktur, haben sich rein auf die vorübergehende Notlagenunterstützung spezialisiert und bieten ihre Hilfe ehrenamtlich und kostenfrei an, übernehmen dafür aber keine langfristigen Verpflichtungen.
So unterschiedlich die Modelle sind, so individuell ist auch das konkrete Angebot. Was genau geleistet werden kann, hängt maßgeblich vom zeitlichen Kontingent und den Fähigkeiten der jeweiligen Mitglieder ab. Typische Aufgaben sind die Begleitung zu Arztterminen, gemeinsame Spaziergänge, die kurzzeitige Entlastung von pflegenden Angehörigen oder auch schnelle Hilfe, wenn jemand überraschend ins Krankenhaus muss und zu Hause die Blumen gegossen werden müssen.
Bei all dieser Hilfsbereitschaft gibt es jedoch eine eiserne Regel, auf die alle Offenburger Initiativen streng achten: Die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe darf niemals in Konkurrenz zu professionellen Angeboten treten. Die Unterstützung ist als kleine Stütze und nicht als Rundum-Service gedacht. Regelmäßiges Putzen oder schwere Gartenarbeiten sind daher überall kategorisch ausgeschlossen. Die Initiativen möchten dort einspringen, wo ein Handgriff fehlt, für den man ohnehin keine Firma beauftragen würde. Wenn von „Gartenhilfe“ die Rede ist, bedeutet das im nachbarschaftlichen Kontext eher, mal beim Umtopfen einer Pflanze zur Hand zu gehen.
Trotz struktureller Unterschiede teilen die Offenburger Nachbarschaftshilfen ähnliche Erfahrungen aus der Praxis. Hans-Jürgen Eickeler, Vorsitzender des Netzwerks SoNet, und Hubert Zimmermann von der Initiative in der Nordweststadt, sind sich einig: Die größte Hürde liegt oft bei den Hilfesuchenden selbst. Es erfordert viel Überwindung, sich einzugestehen, den Alltag nicht mehr alleine zu schaffen. Wie Zimmermann beobachtet, fällt es paradoxerweise gerade älteren Menschen schwer, kostenfreie Hilfe anzunehmen, da sie niemandem zur Last fallen möchten. Gleichzeitig müssen fast alle Initiativen neue Helferinnen und Helfer gewinnen. Eickeler betont, man wolle verstärkt jüngere Generationen begeistern, da viele aktuelle Helfende selbst im Rentenalter seien. Sehr positive Erfahrungen werden vielerorts auch mit der gezielten Integration von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund gemacht, die das Helfendennetzwerk durch ihr Engagement enorm bereichern.
Ehrenamtliche gesucht
Wie dynamisch und lebendig die Nachbarschaftshilfe in Offenburg ist, zeigt aktuell das Projekt in Stegermatt. Hier wurde im vergangenen Jahr mit viel Herzblut eine neue Gruppe aufgebaut. Mit großem Erfolg: Am 17. Juli feiert die „Nachbarschaftshilfe Netz Stegermatt & Eiserne Hand“ ihren offiziellen Start. Um die vielfältigen Anfragen im Quartier künftig gut bewältigen zu können, werden jedoch noch weitere helfende Hände gesucht. Wer sich vorstellen kann, hier als Helferin oder Helfer aktiv zu werden, ist willkommen und wird gebeten, sich unverbindlich an Beate Bleyer-Hansert unter 0781/63905684 oder per E-Mail an beate.hansert@kath-offenburg.de im Stadtteil- und Familienzentrum (SFZ) Stegermatt zu wenden.
Trotz dieser positiven Entwicklungen gibt es auf der Landkarte der Offenburger Hilfsangebote noch Lücken. So existieren in den Stadtteilen Uffhofen, Stadtmitte und Nordost bislang derzeit keine ehrenamtlich aktiven Nachbarschaftshilfegruppen. Auch hier sind engagierte Bürgerinnen und Bürger gefragt: Wer Lust hat, im direkten Wohnumfeld etwas zu bewegen und beim Aufbau einer neuen Nachbarschaftshilfe mitzuwirken, ist eingeladen, die Leitungen der jeweiligen Stadtteil- und Familienzentren anzusprechen. Dort können Interessierte beim Aufbau wertvolle Unterstützung finden.
Unter www.nachbarschaftshilfen-offenburg.de finden sich Informationen zur Nachbarschaftshilfe im jeweiligen Viertel.
Die Nachbarschaftshilfen in den Stadt- und Ortsteilen Offenburgs mit Telefonnummern:
Albersbösch & Hildboltsweier: 0160/5535964
Bohlsbach: 0781/82-3110
Bühl: 0176/77163740
Elgersweier: 0151/55997452
Fessenbach: 0170/6852735
Nordwest: 0175/8106760
Rammersweier: 0171/5564657
Süd-Ost: 0781/9329211
Waltersweier: 0151/17683478
Weier: 0781/82-3250
Windschläg: 0781/82-3270
Zell-Weierbach: 0171/2087576
Zunsweier: 0160/8052135










