Das Stück entstand ursprünglich als US-TV Produktion und wurde 1957 von Sydney Lumet verfilmt. In der Art eines klassischen Kammerstücks geht es hauptsächlich um den Geschworenen Nummer acht, der sich der Meinung seiner Jury-Mitglieder nicht anschließen mag und den Angeklagten für unschuldig hält. Zumindest aber müsse seine Schuld angezweifelt werden, so der Geschworene.
Es geht also nicht primär um Schuld oder Unschuld, sondern eher um das Recht auf den Zweifel, heißt es in der Pressemitteilung der Theatergruppe. „Wir dürfen zweifeln, unsere Freiheit beruht darauf“, wird in dem Text ausgeführt. Zweifeln, nachfragen, sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengeben, das werde heute zunehmend wichtiger.
Die Inszenierung der „Zwölf Geschworenen“ ist das zweite packende Stück der Basler Regisseurin Dagmar Walter beim Theater im Gewölbe (Thig). Und wie ist es zu der Auswahl gekommen? Mehrere Faktoren spielten eine Rolle, erläutert der Vorsitzende Gereon Niekamp. Ein nicht unwesentlicher Grund sei die Anzahl der Schauspieler*innen des Thig, die in etwa der Zahl der Geschworenen entspreche. Während es in der Vorlage mit dem Titel „Twelve angry men“ um eben zwölf Männer geht, stehen in dieser Produktion acht Frauen und vier Männer auf der Bühne. Der Part des Geschworenen Nummer acht mit seinen Zweifeln ist in dieser Aufführung weiblich besetzt, verrät Niekamp.
Für den größten Teil der Geschworenen ist die Sache klar: Zwei Zeugen haben den Mord gesehen, und sie sagen aus, den Täter erkannt zu haben. Nur eine Geschworene wendet ein, dass der Pflichtverteidiger zu wenig nachgefragt habe. Die anderen sind empört, die Lage spitzt sich zu.
„Es ist ein anspruchsvolles Stück“, sagt Gereon Niekamp. Und spannend auf jeden Fall: Acht Frauen und vier Männer in einem Raum, den sie erst verlassen können, wenn die Urteilsfindung allen gerecht und richtig erscheint. Gute zwei Stunden gute Unterhaltung, mit einer Pause. Warum „Die zwölf Geschworenen“ auch eine wirksame Waffe gegen Populismus und Desinformation ist, wie der Pressetext ankündigt, solle laut Niekamp nicht verraten werden. „Einfach hinkommen und herausfinden.“
Info: Aufführungstermine 30. und 31. Mai in der Reithalle auf dem Kulturforum, 20 Uhr. Tickets über Reservix, im Bürgerbüro und an der Abendkasse.
Über das Theater im Gewölbe:
Das Theater im Gewölbe gibt es bereits seit Ende der 70er Jahre in Offenburg. Zu Anfang ein Theaterprojekt der Volkshochschule, wurde es Mitte der 90er Jahre in einen gemeinnützigen Verein umgewandelt. Seit seinen Anfängen tritt das Theater mit ein bis zwei Aufführungen pro Jahr an die Öffentlichkeit. Das Repertoire reicht von DADA-Revue bis zu Shakespeare. Regelmäßig findet einmal pro Woche eine Probe statt, in der über Improvisationen und Körpertraining an Rolle und Stück gearbeitet wird. Weitere Infos: www.thig-offenburg.de.








