Das Offenburger Tageblatt widmete seinerzeit dem Großereignis eine ganze Seite: Fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs habe die "Offenburger Jugend" ihren "großen Tag" gehabt, dem sie "mit freudiger Erwartung und großer Spannung seit Wochen und Monaten entgegengefiebert" habe. Erwähnt wird der "Ehrgeiz der Väter", die sich mächtig ins Zeug gelegt hätten, um ihren Sprösslingen ein schnittiges Gefährt zu liefern – ging es doch darum, die Familie würdig zu vertreten.
Wurst und Weltflug
Auch die Preise spornten den Siegeswillen an: 300 Eier, 40 Liter Kakao und 100 Würste gab es zu gewinnen. Den Vogel jedoch hatte "Pan American World Airways" abgeschossen: Für die Elf- bis 15-Jährigen stand ein "Flug um die Welt" in Aussicht.
Schon am Morgen habe die "Völkerwanderung" begonnen, weiß die Zeitung zu berichten. "Schwarz vor Menschen" sei es an der Strecke gewesen. Die lokale Politprominenz eröffnete den Renntag, unter ihnen der Leiter des Jugendbildungswerkes, der Landrat und Offenburgs Oberbürgermeister Karl Heitz. Der Patron der Autofahrer, Christophorus, wurde bemüht in der Hoffnung, dass die Jugend unfallfrei auf der Strecke bleibe. Auch ein Vergleich mit dem Nürburgring wurde nicht gescheut. Man wolle der Jugend neue, friedliche Ideale geben – dazu sollte das Hexensteinrennen gehören. Zuspruch und Begeisterung waren riesig. Dennoch wurde das Event nach einer Wiederholung 1951 vorerst beendet. Zu viele Unfälle – und ein Ausbau der Strecke zu kostspielig: Damit war es vorerst vorbei mit den Seifenkistenrennen in Zell-Weierbach.
Die Narrenzunft versuchte es Ende der 1980er-Jahre mit einer Neuauflage. Daran erinnert sich Zell-Weierbachs Archivar Alfons End, der im ersten Seifenkistenrennjahr 1950 geboren wurde. Drei Jahre lang sei es gut gegangen, so der gelernte Kfz-Mechaniker. Die Strecke verlief jetzt von der Wolfsgrube bis in die Ortschaft hinein. Sogar die Baden-Württembergischen Meisterschaften wurden hier ausgetragen. Doch die Professionalisierung forderte ihren Tribut: Mit bis zu 100 Stundenkilometern rasten die Teilnehmer*innen den Berg hinunter. Von "Seifenkisten" konnte keine Rede mehr sein; die Untersätze waren kleine Rennwagen, zum Teil sogar aus dem ultraleichten Material Carbon und im Windkanal von Mercedes-Benz getestet. Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde untersagte das flotte Vergnügen. Das Seifenkistenrennen war endgültig Geschichte. 2016 erinnerte man mit einer Ausstellung im von Alfons End geleiteten Schulmuseum an die Wettfahrten und zeigte den Originalfilm, der 1950 gedreht wurde.
Seifenkisten als Werbegag
Bleibt die Frage, was es mit dem Begriff "Seifenkiste" auf sich hat? Einer amerikanischen Seifenfabrik fiel 1933 ein besonderer Werbegag ein: Auf ihre Verpackungskisten wurden die Umrisse eines Kinderautos gezeichnet. Daher rührt der Name Seifenkiste (soapbox). Nach dem Krieg erweckten amerikanische Besatzungstruppen die Idee wieder zum Leben. Die "Rosinenbomber" versorgten Berlin auch mit Seifenkisten und schufen damit die Grundlage für die Karosserie. Die Räder wurden ausgedienten Kinderwägen entnommen.










