Michael Eickmann war 29 Jahre lang Hausarzt in Renchen. 2022 ging er in den Ruhestand. Nachdem er die freie Zeit zunächst genossen hatte, wollte er sich wieder engagieren. Und meldete sich bei Axel Richter, dem langjährigen Vorsitzenden der "Pflasterstube". Die beiden Mediziner kümmerten sich gemeinsam um erkrankte obdachlose Menschen. Ende 2024 stieg Eickmann in die Vereinsarbeit ein. Jetzt hat Richter dem 69-jährigen Westfalen den Vorsitz überlassen. Die Zusammenarbeit mit dem gesamten Team bezeichnet Eickmann als angenehm: "Ich fühle mich wohl."
Sehr guter Kontakt
Inzwischen habe er einen sehr guten Kontakt zu der nicht immer leichten Klientel: "Ich will die Arbeit nicht mehr missen." Eickmann kann sich völlig auf die Behandlung der Leiden und Gebrechen konzentrieren. Der ganze bürokratische Aufwand, der das Führen einer Arztpraxis zunehmend mit sich bringt, fällt weg. Wunden, die oft schon lange offen liegen, müssen versorgt werden. Es geht um Blutdruck, Zuckerkontrolle, Herzprobleme, um psychische Beschwerden und um das weite Feld der Abhängigkeit. Erschwert wird das Engagement dadurch, dass sich viele Menschen auf der Straße nicht helfen lassen wollen: "Das ist nicht leicht zu akzeptieren, wenn man ein Helfersyndrom hat", sagt Hannes Schadeberg schmunzelnd. Er ist ebenfalls Arzt und seit der Gründung des Vereins 2007 dabei. Auch Eickmann lächelt. Er habe immer Berührungsängste mit den Leuten auf der Straße gehabt. Mittlerweile durfte er erfahren, dass es sich um Persönlichkeiten handelt – mit oftmals gescheiterten Lebensläufen. "Sie sind Teil unserer Gesellschaft – da darf ich nicht weggucken." Eickmann guckt nicht nur nicht weg, sondern inzwischen ganz genau hin. Und hat hinter der mitunter kaputten Fassade ganz liebe Menschen entdeckt.
WG-Zimmer gesucht
Jetzt hofft er, dass es mit der Suche nach Zimmern für eine "Pflege-WG" vorangeht. Viele obdachlose Menschen halten es im Krankenhaus nicht lange aus. Oder werden sehr zeitnah entlassen. Für sie soll es Räume geben, in denen sie genesen können, ehe es wieder auf die Straße geht. Drei bis vier Zimmer mit einer Küche zur Selbstverpflegung – optimal wäre eine räumliche Nähe zur Haselwanderstraße, in die die Wärmestube demnächst umziehen wird. Optimal wäre es, wenn sich zudem ein ambulanter Pflegedienst um die Patienten kümmern könnte, die Verbände wechseln und bei der Körperpflege behilflich sein. Den Mitgliedern der Pflasterstube ist schon klar: "Die Aufgabe kostet für manche Überwindung." Aber man bekomme auch einiges zurück.
Neben der Wohnungssuche geht es Eickmann darum, die gute Vernetzungsarbeit seines Vorgängers fortzuführen. Neue Kontakte zu anderen Organisationen zu knüpfen. Und weitere Sponsoren zu finden. Denn die Pflasterstube wird ausschließlich über Spenden finanziert. Geld wird immer benötigt. Zum Beispiel für den Wasserspender.








