Bei einer öffentlichen Begehung, zu der der BUND Ortenau und das Offenburger Netzwerk für Nachhaltigkeit (ONN) eingeladen hatten, informierten Fachleute aus dem Regierungspräsidium Freiburg interessierte Bürger*innen über die geplanten Maßnahmen und die Herausforderungen des Flusses. Mit dabei waren Thomas Fleischhacker, Landesbetrieb Gewässer, Verena Völz, Wasserrahmenrichtlinie, Katrin Gimpl vom BUND sowie Stephan Rimmele, Fischereibiologe.
Naturnaher Ausbau
„Der Fluss soll wieder eine schlängelnde Form bekommen, es braucht Ablagerungsmöglichkeiten für Sande und Kiese und eine Varianz an Wassertiefen, um Lebensräume für Fischbestände zu schaffen“, erklärte Fleischhacker. Zwar handele es sich beim geplanten Rückbau um einen relativ kurzen Abschnitt gemessen an der Gesamtlänge der Kinzig, „aber der Nutzen ist groß“.
Besonders für wandernde Fischarten wie den Lachs, der in der Kinzig seit mehreren Jahren angesiedelt wird, könnten die neuen Strukturen entscheidend sein. Vertiefungen, Kiesbänke und kleine Mäander bieten Rückzugsorte und Ruhephasen auf dem Weg zu den Laichplätzen. Der Beginn der Bauarbeiten ist für 2028 geplant.
Anhand historischer Karten zeigten die Expertinnen und Experten, wie die Kinzig einst aussah: ein weit verzweigtes Gewässer mit vielen Seitenarmen und naturnahen Uferzonen. Heute fehlen solche Strukturen weitgehend – mit spürbaren Folgen für die Artenvielfalt im und am Wasser.
Ungleichgewicht
Ein weiteres Thema, das bei der Exkursion kritisch beleuchtet wurde, betrifft die Wasserverteilung zwischen Kinzig und Mühlbach. Durch das Wasserkraftwerk am Mühlbach fließt derzeit mehr Wasser als durch den Hauptfluss.
„Das wurde vor Jahren entschieden, ohne die zukünftigen ökologischen Folgen abzusehen“, erklärte Verena Völz. „Jetzt wissen wir: Es muss sich was ändern – und da ist die Stadt gefragt.“
Fischereibiologe Rimmele ergänzte: „Fische orientieren sich an der wasserreichsten Strömung. Viele schwimmen deshalb Richtung Mühlbach und geraten dort in die Turbinen. Zwar gibt es eine Fischtreppe, aber die ist nicht optimal – viele Tiere überleben den Weg nicht.“
Trotz aller Herausforderungen sehen die Fachleute die geplante Umgestaltung als wichtigen und positiven Schritt. BUND Ortenau-Geschäftsführerin Petra Rumpel betonte, dass der Hochwasserschutz und die ökologische Aufwertung gemeinsam gedacht werden müssten: „Wäre die Kinzig vor 60 Jahren zurückgebaut worden, hätten wir ihr noch viel mehr Raum geben können. Heute ist das nur noch begrenzt möglich – aber auch kleine Erfolge zählen.“
Die Landesgartenschau 2032 bietet Offenburg die Gelegenheit, zu zeigen, dass Stadtentwicklung und Naturschutz kein Widerspruch sind – an der Kinzig lässt sich schon heute erkennen, wohin die Entwicklung führt.








