In den kommenden beiden Jahren schreibt die Stadt leicht rote Zahlen. Unterm Strich steht voraussichtlich ein Minus von durchschnittlich rund 2,2 Millionen Euro pro Jahr. In der mittelfristigen Finanzplanung bis 2030 ändert sich das Bild, denn: Ab 2028 rechnet das Rathaus wieder mit deutlichen Überschüssen. Über die vollen fünf Jahre bis 2030 bleibt im Schnitt ein Plus von 1,8 Millionen Euro. Kämmerin Katharina Schubert bilanziert: „Wir haben es geschafft, in herausfordernden Zeiten einen genehmigungsfähigen Haushalt aufzustellen.“
Dass diese Rechnung aufgeht, verdankt Offenburg vor allem seiner wirtschaftlichen Stärke. So spült die Gewerbesteuer 2025 rund 94 Millionen Euro in die Kasse. Das sind zehn Millionen mehr als ursprünglich gedacht. Auch die Anfang 2024 beschlossene Anhebung des Gewerbesteuer-Hebesatzes von 380 auf 435 Punkte zahlt sich aus: Sie bringt bis 2030 zusätzliche 64 Millionen Euro. Dennoch gilt ab sofort: Die Stadt muss sparen. Der Plan sieht vor, über fünf Jahre 13 Millionen Euro zu konsolidieren, etwa indem frei werdende Stellen nicht neu besetzt werden. Hilfreich ist zudem das Sondervermögen des Bundes, aus dessen Gesamtvolumen von 35 Millionen Euro bis 2030 rund 14 Millionen Euro fließen.
Bis 2030 investiert die Stadt die gewaltige Summe von 335 Millionen Euro. Ein großer Anteil fließt in die Bildung: Fast 100 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Allein der Neubau der Erich-Kästner-Realschule und der Umbau der Weingartenschule in Zell-Weierbach sind mit rund 52 Millionen Euro veranschlagt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ganztagesbetreuung an Grundschulen. Weil der Rechtsanspruch für Erstklässler*innen ab 2026 beginnt, baut die Stadt in Rammersweier, Zunsweier, Fessenbach und Griesheim neue Räume. Die zusätzlichen Personalaufwendungen sollen durch Landesmittel und Gebühren gegenfinanziert werden. Rund 6,5 Millionen Euro fließen zudem in die IT-Infrastruktur der Schulen. Ebenfalls im Haushalt abgebildet sind die Landesgartenschau 2032, der Sportpark Süd und die Entwicklung von CANVAS22. Finanzbürgermeister Hans-Peter Kopp stellt klar, dass diese Großprojekte für ihn ein Konjunkturbooster für die heimische Wirtschaft seien.
Auch an das Ehrenamt sendet die Stadt im Haushalt ein Signal. Sie erhöht die Zuschüsse für Sport- und Kulturvereine um 25 Prozent auf jährlich 1,25 Millionen Euro. „Der Mehrwert der Vereine für die Gesellschaft ist sehr hoch“, begründet Kopp die Entscheidung.
Aus eigener Kraft
Wer viel investiert, muss finanzieren. 57 Prozent der Investitionsummen will die Stadt aus eigener Kraft stemmen, für die restlichen 43 Prozent sollen Kredite aufgenommen werden. Die Nettoneuverschuldung wird voraussichtlich bei rund 144 Millionen Euro liegen, Ende 2030 wird der Schuldenstand auf etwa 199 Millionen Euro anwachsen. Das bliebe im selbst gesteckten Rahmen, des Nachhaltigkeitskonzepts, welches Zinslasten von bis zu 4,4 Prozent der städtischen Einnahmen erlaubt. Der aktuelle Plan würde lediglich 3,9 Prozent ausnutzen.
Kämmerin Schubert mahnt dennoch: „Wir sind mit diesem Haushalt finanziell und personell an der Grenze des Machbaren.“ Neue Stellen soll es nur bei der Ganztagesbetreuung an Grundschulen, dem kommunalen Ordnungsdienst und der Feuerwehr geben.








