Bürgerentscheid: Diskussionen bei der zentralen Infoveranstaltung in der Oberrheinhalle
- 02.03.2026 -
Der gut gefüllte Saal der Oberrheinhalle wurde am vergangenen Freitagabend, 27. Februar, zum Forum für die Debatte über die Zukunft des Sonderlandeplatzes. Vertreter und Gegner*innen einer Entwicklung legten ihre Argumente dar; Besucherinnen und Besucher hakten teils kritisch nach.
Stadtplaner Leon Feuerlein ordnete anfänglich – wie auch schon bei den Stadtteilveranstaltungen – den Sachstand ein. Er zeichnete die Ergebnisse der Gewerbeflächenpotenzialanalyse nach und führte aus, dass die Studie den Sonderlandeplatz und das angrenzende Königswaldfeld als einzige geeignete größere und realistische Entwicklungsfläche im Stadtgebiet identifiziert habe.
Oberbürgermeister Marco Steffens warb für ein Ja. Die Offenburger Unternehmen seien das „starke Herz" der Stadt. Die durch sie generierten Gewerbesteuereinnahmen stecke die Stadt in Schulen, Kitas und Infrastruktur wie beispielsweise das Freizeitbad. Er betonte, dass das südliche Drittel des Sonderlandeplatzes erhalten und die Landebahn renaturiert würden. Werner Mäurer, Geschäftsführer des Offenburger Unternehmens Hiwin, machte deutlich, dass sein Unternehmen ohne die einst bereitgestellte Gewerbefläche nicht mehr am Standort wäre. Es fehle in Offenburg an zusammenhängende Flächen für Gewerbe. An den Gemeinderat gerichtete formulierte er die Erwartung, ökologische Aspekte bei einer Gewerbegebietsentwicklung zu priorisieren. Hochschulrektor Prof. Dr. Stephan Trahasch betonte die Signalwirkung der Entscheidung, die sich auf künftige Generationen auswirke. Die Hochschule Offenburg bilde Fachkräfte aus, die in der Region blieben. Das bliebe aber nur so, wenn die Unternehmen vor Ort auch Perspektiven bieten könnten. Alwin Wagner von der IHK Südlicher Oberrhein betonte die Bedeutung von wirtschaftlicher Entwicklung. Dafür bräuchte es auch die nötigen Rahmenbedingungen in Form von Entwicklungsflächen.
Auch die Gegenseite kam ausführlich zu Wort. Thomas Rothkegel (Bürgergemeinschaft Hildboltsweier) kritisierte angeblichen Zeitdruck, Intransparenz und fehlende Kompromissbereitschaft von Seiten der Stadt. Bei einem Ja zum Gewerbegebiet verschenke die Stadt das Potenzial, welches der Flugplatz biete. Ein Nein hingegen sei Chance, nicht Stillstand. Rolf Leonhardt von der Bürgerinitiative Pro Flugplatz betonte die emotionale Bedeutung des Areals. Der Flugplatz sei ein Ort mit Geschichte und Freizeitwert. Axel Fink (Bürgergemeinschaft Uffhofen) mahnte, dass sein ohnehin durch B3, B33 und Bahntunnel belasteter Stadtteil nicht zum Leidtragenden der Offenburger Stadtentwicklung werden dürfe. Zudem bedrohe eine Gewerbegebietsentwicklung das Mikroklima vor Ort. Petra Rumpel vom BUND kritisierte, dass der Artenverlust weiter voranschreite. Verantwortlich sei die Zerstörung von Lebensräumen. Ausgleichsmaßnahmen würden häufig nur unbefriedigend umgesetzt. Cynthia Huber von der Fliegergruppe berichtete von ihren Kindheitserfahrungen auf dem Flugplatz. Das Areal bedeute für sie Freiheits- und Lebensgefühl. Als Teil der Offenburger Identität sei der Sonderlandeplatz ihrer Ansicht nach zu bewahren.
In der anschließenden Fragenrunde beschäftigten sich mehrere Fragensteller mit der ökologischen Gestaltung eines künftigen Gewerbegebiets. Trahasch nannte Energieeffizienz und Wasserstofftechnologie als mögliche Beiträge der Hochschule. Steffens verwies darauf, dass auch die Unternehmerschaft inzwischen die Vorteile von Dach- und Fassadenbegrünung erkenne. So würde diese die Gebäudetemperatur senken und damit Energiekosten sparen. Alwin Wagner ergänzte: „Keiner hat Interesse daran, in einem Bunker zu arbeiten." Die Stadt habe hier über den Bebauungsplan wirksame Steuerungsmöglichkeiten.
Aus dem Publikum kam die Frage, wie es die Fliegergruppe verantworte, mit rund 200 Mitgliedern ein 25 Hektar großes Gelände zu nutzen, während andere gemeinnützige Vereine mit deutlich weniger auskommen müssten. Huber erwiderte, dass der Verein sehr wohl vom Ehrenamt lebe und das Biotop pflege. Die große Fläche sei aus sicherheitstechnischen Gründen erforderlich. Leonhardt ergänzte, der Flugplatz verfüge über eine gewachsene Infrastruktur, deren Aufgabe „leichtsinnig" sei. OB Steffens hielt dagegen, dass kein anderer Verein mit dieser Mitgliederzahl eine vergleichbare Fläche für sich beanspruche.
Hintergrund
Nicht nur vor Ort in der Oberrheinhalle waren die Reihen gut gefüllt. Auch im Livestream auf der offiziellen Website zum Bürgerentscheid (www.buergerentscheid-offenburg.de) war das Interesse groß. Insgesamt 579 Zuschauerinnen und Zuschauern nutzten diese Möglichkeit, sich zu informieren.







