Die Kuratorinnen Claudia Roloff von der Evangelischen Erwachsenenbildung, die frühere und aktuelle Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Regina Geppert und Verena Schickle, sowie Museumsleiterin Valerie Schoenenberg befassen sich seit zwei Jahren damit. Dass es derzeit diese "wahnsinnig hohe Aktualität" (Kulturchefin Carmen Lötsch) besitzt, kommt dem Team in seiner Intention entgegen, das Thema aus seinem Schattendasein zu holen. Zum Prostituiertenschutzgesetz aus dem Jahr 2017 liegt der Evaluationsbericht vor, führt Verena Schickle aus: "Es besteht Handlungsbedarf." Die Gesellschaft müsse genauer hinschauen. Es gebe viel Unwissen und Halbwissen. Hier soll mit der neuen Ausstellung angesetzt werden – wobei in der Schau nicht viel erklärt werde, worauf Schoenenberg hinweist. Dazu diene das Begleitprogramm.
"gesichtslos" zeigt 40 Fotografien, versehen mit Zitaten. Der Fotograf Hyp Yerlikaya hatte zehn Frauen zwei Jahre lang begleitet, zusammen mit der Beratungsstelle Amalie (Mannheim). Mit dem Ziel, sich dem Alltag von Frauen in der Prostitution anzunähern. Bei den Abbildungen handelt es sich um Inszenierungen, die Frauen tragen Masken, um ihre Gesichtslosigkeit zu betonen. Die Wortbeiträge wurden mit den Frauen erarbeitet. Die Mehrheit der Frauen führt ein Leben abseits der sozialen Wahrnehmung. Nur wenigen von ihnen gelingt der Ausstieg. Es ist ein Anliegen der Ausstellung, die oft prekären Lebenswirklichkeiten in der Prostitution sichtbar zu machen. Mehr noch: Mit der Prostitution wird gegen zwei Artikel des Grundgesetzes verstoßen, so Regina Geppert: gegen Artikel 1 ("Die Würde des Menschen ist unantastbar") und Artikel 3 ("Männer und Frauen sind gleichberechtigt"). Claudia Roloff unterstrich, dass die Menschenrechte im kirchlichen Programm sehr hoch angesiedelt seien. Es sei ihr ein Herzensanliegen, bei dieser Ausstellung mitzuwirken.
Die Ausstellung läuft zweisprachig, um die ganze Grenzregion einzubeziehen. Während in Deutschland eine Erlaubnispflicht für alle Prostitutionsgewerbe besteht und eine Anmeldebescheinigung für Prostituierte erteilt wird (zwei handelnde Personen schließen einen Vertrag ab), hat sich Frankreich dem "Nordischen Modell" angeschlossen: Kunden von Prostituierten werden durch das Sexkaufverbot kriminalisiert.
Ökumenischer Gottesdienst zu Sexkauf und Prostitution:
Mi, 10.12.2025, 18 Uhr, St. Andreas-Kirche, Am Fischmarkt
Kulturpause „gesichtslos“:
Mi, 14.1.2026, 12.30 Uhr, Museum im Ritterhaus, Ritterstraße 10, mit Valerie Schoenenberg, Eintritt frei
Filmgespräch:
„Aufbruch: Sexkauf und Prostitution überwinden“
Fr, 23.1.2026, 19 Uhr, Forum Kino Offenburg, Hauptstraße 111, in Kooperation mit der VHS. Mit Regisseurin Kristine Tauch
Vortrag und Gespräch:
Hilfe gegen sexuelle Ausbeutung – das Nordische Modell im Faktencheck
Mi, 4.2.2026, 18 Uhr, online, mit: Rechtswissenschaftler Jakob Drobnik, kostenlos
Ausstellungsgespräch:
Do, 5.2.2026, 19 Uhr, Museum im Ritterhaus, mit Claudia Roloff, Regina Geppert, Verena Schickle und Valerie Schoenenberg, Eintritt frei