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Zwei Darstellungen des weihnachtlichen Geschehens zeigt das Studio des Museums im Ritterhaus

- 18.12.2025 - 

Zur Krippe her kommet

Brauchtum ges Wenn dieser Tage Weihnachten gefeiert wird, gehören Nachbildungen des biblischen Geschehens für viele Gläubige dazu. Im Studio des Museums im Ritterhaus sind bis 11. Januar zwei besondere Exemplare ausgestellt: die Herbergskrippe aus dem Besitz von Karl Otto Schimpf und die Henco'sche Krippe, die der Kaufmann Jacob Schley 1906 dem Museum geschenkt hatte.

Die Henco'sche Krippe aus dem Bestand des Museums.

Die Herbergskrippe besteht aus neapolitanischen Figuren. Bereits Anfang des 15. Jahrhunderts tauchen entsprechende Darstellungen im südlichen Italien auf. In der Regel bestehen sie aus einem Drahtgeflecht, der Kopf ist aus Holz, später häufig auch aus Terracotta, wie Susanne Leiendecker-Piegsda vom Bereich Stadtgeschichte und Heimatpflege bei einer Kulturpause im Dezember dargelegt hat.

Hohe Lebendigkeit

Die Kleiderstoffe wurden speziell für die Figuren gewebt, was sich an den filigranen Mustern erkennen lässt. Hohe Lebendigkeit und lebensnahe Mimik zeichnen die Figuren aus.

Museumsgründer Carl Frowin Mayer hatte 1911 den in München studierenden Karl Otto Schimpf, Sprössling aus dem Offenburger Gasthaus Sonne, beauftragt, eine Expertise zu den Figuren einzuholen. Die Begegnung mit einem damals bekannten Krippenexperten Max Schmederer förderte bei Schimpf eine Begeisterung für Krippen, die ihn zu einem überregional bekannten Kenner machte, der mit seiner Akribie und Inszenierungsfreude Vorbild wurde für Generationen von Krippenbauern in Offenburg und der Region. Mehrere Krippen aus dem Nachlass konnten 2023 in die städtische Sammlung übernommen werden, ein Großteil wurde 2024 restauriert. Beim zweiten Ausstellungsstück handelt es sich um die "Henco'sche Krippe", eine Schenkung, die später um Figuren von Anna Weißbrodt ergänzt wurde. Über 180 Krippenfiguren aus dem 18. und 19. Jahrhundert beinhaltet nun die heute sogenannte Museumskrippe. Einige wenige Figuren daraus stellen hier die Geburt Jesu in einer kleinen Hütte im verschneiten Tannenwald dar. Maria und Josef sind technisch gesehen neapolitanischen Krippenfiguren nachempfunden – mit harten Köpfen und Gliedmaßen sowie weichen Körpern aus Stroh.

In weiteren Vitrinen werden Einzelteile gezeigt, abgerissene Gliedmaßen und löchrige Stoffe. Die Engel mit ihren reich bestickten Gewändern und von Hand bemalten Flügeln lassen erkennen, wie viel Liebe zum Detail und Mühe den Krippenfiguren in ihrer Ausgestaltung gewidmet wurde. In einer Restaurierungsmaßnahme 2009 wurden die Figuren der Museumskrippe aufwändig und umfassend in Stand gesetzt.

Die Studioausstellung ist bis 11. Januar freitags von 13 bis 17 Uhr sowie an den Samstagen und Sonntagen von 10 bis 17 Uhr oder auf Anfrage geöffnet.