Kunstvolle Medaillons des Offenburger Künstlers Emil von Heimburg an der Brüstung der Chorempore stellen die sieben Werke der Barmherzigkeit dar, die nicht nur als Trost für die hier lebenden Menschen gedacht waren, sondern ebenso als Aufruf an alle Betrachter*innen. „Was wir hier historisch als die Aufgabe der Bürgergesellschaft sehen, ist letztlich die Aufgabe aller getauften Christinnen und Christen“, verdeutlichte Pfarrer Stefan Meisert. Kirche bedeute, für die Menschen und unter den Menschen da zu sein. Mit den Worten des Paulus „Ihr seid Gottes Bau“ aus dem Ersten Korintherbrief verdeutlichte die Leitende Referentin Cornelia Dilger die transzendente Ebene des Gebäudes.
Der St.-Andreas-Kirche kommt im gesamten Ortenaukreis eine besondere Rolle zu: Sie hat keine starre Dimension, sondern sie wird zu dem, was die Menschen in ihr leben und mit ihr erleben. Und zwar alle Menschen – ungeachtet ihres Glaubens, ihres Alters oder ihrer Herkunft. Sie bleibt zwar ein spiritueller Ort, wird aber zeitgleich ein Raum für Begegnungen, Kunst und Kultur sowie eine Impulsgeberin für soziale Fragen. Getragen wird das neue Konzept von Pastoralreferentin Sabine Müller. Die Leiterin der City-Pastoral umrahmte den Segnungsgottesdienst gemeinsam mit einem Vokalensemble und griff mit den Liedern die Aspekte der St.-Andreas-Kirche auf, wie „Laudate omnes gentes“ (Preiset alle Völker).
Weder ein reines Gotteshaus, noch ein rein weltlicher Ort: Mit dem neuen Nutzungskonzept verfolgen Stadt und Kirchengemeinde einen dritten Weg. „Es ist ein Weg, der darauf abzielt, zu einem Konsens zu kommen, der das gemeinsame Ziel im Blick behält“, betonte Stefan Meisert. Kirche sei schon immer mehr gewesen als die Feier des Gottesdienstes. Der Pfarrer und Dekan erinnerte an eine altjüdische Praxis, die eine Synagoge als Versammlungsort verstand, in der jedoch die Haltung des Gebets die Versammlungen prägen sollte.
Intensiv und fruchtbar
„Suchet der Stadt Bestes“: Mit diesem Zitat des Propheten Jeremia umschrieb Oberbürgermeister Marco Steffens das gemeinsame Projekt. Die St.-Andreas-Kirche sei ein Pfeiler für den „Brückenschlag zwischen Religion und Politik, zwischen der Kirche und dem, was wir heute Zivilgesellschaft nennen“. Zeitgleich sei sie Gegenstand leidenschaftlicher Debatten gewesen. „Doch das gehört dazu“, betonte er. Es gelte, auch mal andere Wege zu gehen. Die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde sei dabei stets intensiv und fruchtbar gewesen. Er wünschte, dass die ehemalige Spitalkirche nicht nur ein Ort der Begegnung, sondern auch der Erbauung, Freude, Zuflucht und des Trostes werde. „Heute beginnt ein neues Leben für die St.-Andreas-Kirche.“
Besondere Bewunderung erhielt der restaurierte Altar. Auch das große Kreuz und eine Marienskulptur aus Museumsbeständen sind wieder angebracht worden. Vor der jüngsten Nutzung der St.-Andreas-Kirche als C-Punkt waren alle Kunstwerke entfernt und gereinigt worden. Viele der Figuren, die einst die Wand der ehemaligen Spitalkirche zierten, sind zurzeit im Museum im Ritterhaus zu sehen.










